Rollerreifen - alles was du wissen musst

Rollerreifen – alles was du wissen musst zu Haltbarkeit, Größen und gesetzliche Vorschriften

Dieser Artikel soll euch alle wichtigen Informationen zu den Reifen eines Rollers näherbringen. Den Reifen werden leider von zu vielen Zweiradfahrern viel zu wenig Beachtung und Bedeutung geschenkt. Doch sind sie die einzige Verbindung zwischen Roller und Straße und tragen dadurch sogar als eines der wichtigsten Elemente zur Fahrsicherheit bei. Mit diesem Beitrag klären wir über gesetzliche Vorschriften auf und ihr erfahrt, was einzuhalten und zu beachten ist. Wir möchten euch einen Überblick über Angaben und Symbole auf einem Reifen vermitteln, um diese zu verstehen und den richtigen Reifen für das eigene Zweirad auszusuchen. Weiterhin untersuchen wir sicherheitstechnische Faktoren und behandeln Themen wie die Haltbarkeit und Laufleistung eines Rollerreifens.

Rollerreifen - alles was du wissen musst
Rollerreifen – alles was du wissen musst

 

Gesetzliche Vorschriften

Der erste große Punkt soll sich mit den rechtlichen Vorschriften und Regelungen drehen und die notwendigen Fakten erläutern.

Die wichtige Kennzahl welche es zu beachten gilt, ist die Mindestprofiltiefe. Bei Kleinkrafträdern, also Rollern bis zu 50 ccm Hubraum, darf die Profiltiefe 1 mm nicht unterschreiten. Bei Leichtkrafträdern, also Rollern mit mehr als 50 ccm Hubraum, beträgt die Mindestprofiltiefe 1,6 mm, wie bei PKWs und Motorrädern.

Also darauf achten, dass keiner der Reifen ein zu geringes Profil besitzt, lieber schon früher wechseln, denn bei feuchter Straße kann der 1 mm schon viel zu wenig sein, um bspw. die Fahrbahnnässe nach außen zu bewegen. Somit kann es schnell zu Aquaplaning kommen, was bei einem Zweirad meistens mit einem schlimmen Sturz endet. Von daher ist es empfehlenswert den Reifen schon bei 2 mm Profiltiefe auszuwechseln, um immer genügend Sicherheitsreserven zu haben.

 

Wie messe ich die Profiltiefe?

In vielen modernen Reifen sind kleine Erhebungen im Profil selber zu erkennen. Diese werden TWI (Treadwear Indicator) genannt und sollen die Mindesttiefe einfacher erkennbar machen. Sie sollten an sich der Mindestprofiltiefe entsprechen, doch sollte man dies am besten vorher beim Händler klären, denn viele aus dem Ausland gelieferten Reifen (speziell USA) haben hier ganz andere rechtliche Rahmenbedinungen. Um solch eine Markierung zu finden, ist an der Reifenseite entweder eine Markierung „TWI“ oder auch das Logo des Herstellers einvulkanisiert, folgt man der Markierung zum Profil, kann man solch eine Erhebung sehen und abschätzen, ob das Profil noch ausreichend ist.

Sicherheitshalber sollte man aber selber mit einer Tiefenlehre die Profiltiefe messen. Dies sollte an mehreren Stellen des Reifens getan werden, da sich dieser durch starke Bremsmanöver nicht immer gleich abnutzt.

 

Unterschiedliche Reifentypen

Wie bei Autos und Motorrädern gibt es natürlich auch bei Rollerreifen unterschiedliche Arten von Reifen, die sich jeweils für unterschiedliche Zwecke eignen. Worin besteht denn jetzt nun eigentlich der Unterschied zwischen Cross-Reifen, City-Reifen oder auch sogenannten Slicks?

 

Slicks für Roller
Waschechte Slicks für Rennroller

Profi-Rennfahrer fahren auf ihrem Rennroller natürlich nur mit waschechten Slicks, also Reifen ohne ein Profil aus einer speziellen, sehr weichen Gummimischung. Diese bieten eine sehr gute Oberflächenhaftung, sind aber ausschließlich für die Rennstrecke konzipiert und dürfen nicht auf öffentlichen Straßen gefahren werden. Zudem wären sie hier auch nicht gut geeignet, da sie aufgrund ihrer Weichheit viel zu oft ausgetauscht werden müssten.

 

Weiterhin gibt es noch Cross-Reifen oder City- und Straßenreifen für Roller, wobei sich diese nicht so sehr Unterscheiden, wie beispielsweise bei Motorrädern. So haben Cross-Reifen ein höheres eher stollenartiges Profil und eignen sich eher auch mal für die Fahrt über einen Waldweg, Matsch oder eine nicht betonierte Landstraße, diese können problemlos dauerhaft auch auf normalem Asphalt in der Stadt genutzt werden.

City-Reifen für einen Roller
City-Reifen für einen Roller

 

Hier wären aber normale Straßenreifen mit angepasstem Profil am ehesten zu bevorzugen, diese verschleissen nicht so schnell und haben ein leiseres Rollgeräusch als Cross- oder Stollenbereifung. Zudem ist die Straßenhaftung höher und dadurch die sicherste Wahl bei normalem Straßeneinsatz im Stadtverkehr.

Am wichtigsten für die richtige Auswahl ist die passende Reifengröße, diese steht in der Allgemeinen Betriebserlaubnis ABE oder in den Papieren des Herstellers und die maximale Höchstgeschwindigkeit des Rollers. Online kann man sich anhand der relevanten Werte schnell und einfach passende Rollerreifen für den eigenen Roller aussuchen und bestellen, die Preise sind hier eigentlich immer besser als bei einem Lieferanten vorort.

 

Haltbarkeit und Laufleistung

Ein Rollerreifen hält natürlich nicht ewig und muss wie ein Autoreifen regelmäßig geprüft und ggf. ausgetauscht werden. So sollte ein Reifen nicht länger als fünf bis sechs Jahre gefahren werden, da das Material, also die Gummimischung aus dem der Reifen besteht in dieser Zeit einen Alterungsprozess durchläuft und mit der Zeit immer spröder wird. Dadurch verschlechtern sich die Fahr-, aber noch viel wichtiger die Sicherheitseigenschaften. So ist in Gefahrensituationen nicht mehr die volle Brems-, bzw. Haftfähigkeit gegeben. Deshalb sollte das Alters eines Reifens zum Saisonbeginn überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden.

 

Wie überprüfe ich das alter meines Reifens?

Auf allen modernen Rollerreifen sollte auf der Seitenwand des Reifens eine DOT-Nummer erkennbar sein. Diese Nummer wird während der Herstellung in den Reifen einvulkanisiert und zeigt die Produktionswoche, sowie das Produktionsjahr. So würde also die DOT-Nummer 1713, eine Produktion in der 17. Woche des Jahres 2013 bedeuten.

Ein Reifen ist noch weiteren schadhaften Prozessen ausgesetzt, weshalb diese regelmäßig gründlich geprüft werden sollten.

  • Lagerung und Reifendruck:
    Wird ein Reifen falsch gelagert, z.B. bei zu hoher oder zu niedriger Temperatur, bei zu hoher Luftfeuchtigkeit, oder wird dieser im Hinterhof dauerhaft der Sonne ausgesetzt, dann altert das Material deutlich schneller. Gerade UV-Strahlung ist für Gummimischungen ein nicht zu unterschätzendes Problem. Ebenso gehört der richtige Reifendruck als wichtiger Faktor dazu. Bei falschem Reifendruck erhöht sich der Verschleiß extrem.
  • Chemie:Kommt der Reifen mit bestimmen Ölen oder chemischen Verbindungen in Kontakt, kann das Material an- oder aufgelöst werden.
  • Fremdkörper auf den Straßen:
    Immer wieder finden sich auf den Straßen kleine Fremdkörper, die man sich in den Reifen einfahren kann. Das passiert meist unbemerkt und verursacht weitreichende Schäden. Deshalb sollten die Reifen auch hier regelmäßig auf kleine Steinchen im Gummi oder eingefahrene Nägel und Splitter überprüft und diese entfernt werden.
  • Geschwindigkeit und Fahrweise:
    Fährt man seine Reifen durchweg an der Belastungsgrenze und rast damit durch die Gegend, dann erhöht sich der Verschleiss natürlich dementsprechend auch.
  • Stöße und Schläge:
    Mal nicht ganz aufgepasst und schon knallt man mit dem Reifen beim Auffahren auf den Bürgersteig gegen die zu hohe Bordsteinkante. Solche Stöße und Schläge können den Reifen sogar von innen beschädigen, so dass er in Extremsituationen seine Form nicht mehr hält und aufreissen oder Platzen könnte.
  • Kavalierstarts und BurnOuts:
    Der sogenannte Kavalierstart, also das Anfahren mit durchdrehenden und quietschenden Reifen ist für das Reifenprofil natürlich ganz schlecht. Genau wie bei BurnOuts wird das Material sehr stark belastet und erhitzt, dass es sich quasi abschmirgelt und auf dem Asphalt der Straße festklebt. Hierdurch kann in kürzester Zeit das gesamte Profil abgetragen werden und dadurch ist der Reifen nicht mehr benutzbar.
  • Hochdruckreiniger:
    Es sollte möglichst vermieden werden einen Reifen mit einem Hochdruckreiniger zu Reinigen. Denn der harte Strahl kann einen extremen Druck besitzen, dass Reifen beschädigt. Daher unbedingt auf einen Mindestabstand von 30-40 cm achten.

Die Laufleistung, also die Anzahl an Kilometern, die mit einem Reifen gefahren werden können, lässt sich pauschal nicht festlegen. Aufgrund unterschiedlicher Witterungsbedingungen und Straßenoberflächen, kommt es zu sehr unterschiedlichen Gebrauchsmustern und somit unterscheidet sich der Reifenabrieb immens. Hier reicht die Spanne von 5.000 KM bis zu 20.000 KM und somit sollte im Einzelfall nach den oben genannten Kriterien entschieden werden, ob die Reifen noch gut sind.

Wenn man sich neue Reifen hat aufziehen lassen oder es selber getan, dann sollte man sich am besten den aktuellen Kilometerstand des Tachos notieren, um im Nachhinein zu wissen, wieviele KM die Reifen schon gefahren wurden.

 

Erläuterung der Reifenbeschriftung oder auch ECE R 30

Um die geheimen Codes auf dem Reifen zu verstehen, muss man kein Studium der Mathematik oder altgriechischen Lehre absolvieren. Die Codierung auf heutigen Auto-, Motorrad- und Rollerreifen ist eigentlich ziemlich einfach zu verstehen.

Seitlich an den Flanken eines Reifens sind spezielle Zahlen- und Buchstabenkombinationen zu erkennen, bei diesen handelt es sich um die sogenannte ECE R 30-Richtlinie. Die ECE-Regelungen sind ein von der europäischen Wirtschaftskomission festgelegter Katalog von international vereinbarten, einheitlichen teschnischen Vorschriften für Kraftfahrzeuge und deren Teile. Die aktuell für uns interessante Nummer R 30 behandelt das Thema „Luftreifen für Kraftfahrzeuge und Anhänger“.

In dieser ECE R 30 wird festgesetzt wie ein Reifen beschriftet zu sein, um über die wichtigsten Daten des Reifens auskunft zu geben. Diese Daten umfassen u.a.:

  • Reifenbreite (in mm)
  • Höhen-Breiten-Verhältnis in %
  • Reifenbauart (Radial oder Diagonal)
  • Felgendurchmesser in Zoll
  • Tragfähigkeitskennziffer
  • Geschwindigkeits-Index
  • Produktionsdatum
  • Tubeless (Schlauchloser Reifen, inzwischen üblich)
  • M+S (Winterreifen, Matsch+Schnee)

 

Einfahren neuer Reifen

Ein nagelneuer Roller- und auch Motorradreifen muss zuerst eingefahren werden, bevor er voll belastungsfähig ist. Die Reifen werden nach der Produktion mit einer Schutzschicht versehen, welche die Haltbarkeit im Lager erhöht. Diese Schicht muss nach der Montage erstmal vorsichtig abgefahren werden. Bei manchen Reifenmodellen können das auch schon mal bis zu 150 bis 200 Kilometer sein.

Daher die ersten 100 KM auf jeden Fall sehr vorsichtig fahren und keine extremen Fahrmanöver erzwingen oder die neuen Reifen „ausprobieren“.

 

Neue Rollerreifen einfahren
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